Traurige Bilanz zum Weltversuchstiertag

Paradox: Während die Haltung von Heimtieren in der Schweiz gesetzlich streng geregelt ist, lässt man in Tierversuchen jährlich hunderttausende von Tieren unerträgliche Qualen leiden. Statt Tierversuche durch existierende Alternativen zu ersetzen, nimmt die Zahl der Tiere, die für besonders grausame Experimente herhalten müssen, jedes Jahr zu. In einer 26-seitigen Broschüre informiert der Schweizer Tierschutz STS über dieses gesellschaftliche Tabu-Thema.

Jedes Jahr werden in der Schweiz über 700`000 Tiere in Tierversuchen verbraucht. Tendenz steigend. In den 27 EU-Staaten wurden 2008 über 12 Millionen lebende Tiere zu Experimenten und Tests herangezogen. Weltweit sind es jährlich über 115 Millionen Tiere, die in belastenden Versuchen in industriellen Labors, Universitäten und weiteren Forschungseinrichtungen ihr Dasein fristen. Erschreckend auch der zu verzeichnende Anstieg in den stark kritisierten  Schweregraden 2 und 3, also den Versuchen, in denen Tiere besonders stark leiden müssen. Im Vergleich zum Vorjahr ist gemäss eidgenössischer Tierversuchsstatistik 2010 insbesondere im Schweregrad 3, bei den schwerstbelastenden Eingriffen, eine massive Zunahme zu verzeichnen, nämlich  um 1950 Tiere. In diesen Schweregraden werden die Tiere mit starken Schmerzen, andauerndem Leiden, schweren Schäden, schwerer Angst oder erheblicher und dauernder Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens belastet.

Zu den Torturen, die sie erdulden müssen, gehören tödlich verlaufende Infektionskrankheiten, Krebsleiden ohne vorzeitige Euthanasie, chirurgische Eingriffe wie Gelenk- oder Organtransplantationen, Eröffnen der Brusthöhle, Darmresektionen, Erzeugen von Magenfisteln, das Implantieren von Elektroden oder Langzeitkathetern ins Gehirn, Bestrahlungen und Verbrennungen, Chemotherapien etc. Haben sie den Versuch «lebend» überstanden, werden sie nachher in jedem Fall getötet. Das Paradoxe daran: Der Grossteil der Experimente ist für die hochsensiblen Lebewesen mit starkem Leiden, Schmerzen, Ängsten und dauerhaften Schäden verbunden. Genau davor möchte das Schweizer Tierschutzgesetz alle Wirbeltiere eigentlich schützen – die grosse Aus-nahme macht es aber bei den Versuchstieren.
 
Lebenslang eingesperrt und krank gemacht
Schon allein die Haltung der Versuchstiere ist meist problematisch und keineswegs artgerecht. Im Gegensatz zur Heimtierhaltung, die vom Tierschutzgesetz wesentlich besser und artgerechter vorgeschrieben wird, sind Versuchstiere lebenslang häufig unter annähernd sterilen Verhältnissen in Plastikkäfigen eingesperrt – oftmals sozial isoliert und unter engsten Platzverhältnissen, ohne Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten. Und als ob dies noch nicht genug belastend wäre, wird an ihnen all das experimentiert, was man Menschen niemals zumuten würde. So werden in der Schweiz jedes Jahr zahlreiche Tiere vergiftet, verstümmelt und traumatisiert, sie werden mit Viren, Bakterien und Parasiten infiziert, sie müssen hungern oder dursten, sie werden erstickt oder mit Elektroschocks traktiert, bei ihnen werden Infektio-nen, Entzündungen, Infarkte, Anfälle und Krebs hervorgerufen, ihnen werden die Knochen gebrochen, die Augen vernäht, Organe entfernt und wieder eingepflanzt.

Tiermodell oder Monster?
Weil dies den Forschergeist aber noch nicht befriedigt, werden inzwischen alleine in der Schweizer Grundlagenforschung mehr als 125`000 Tiere mittels genetischer Manipulation zu sogenannten Tiermodellen degradiert und erinnern dann manchmal eher an kleine Monster. Es entstehen schmerz- und stressempfindliche Kreaturen wie z.B. Nackt-, Tumor-, Diabetes- sowie sogenannte Knockout- oder Knockin-Mäuse. Für die Herstellung dieser genmanipulierten Tiere wird  ein Vielfaches an «Ausschuss-Tieren» mitproduziert, aussortiert und getötet, weil diese innerhalb der Zucht bereits krank, schwächelnd oder nicht lebensfähig sind oder aber das mittels Gentechnik angezüchtete, gewünschte Merkmal  nicht oder zuwenig zeigen und daher für Forschende ungeeignet sind. Auch hier ist eine annähernd artgerechte Haltung praktisch nicht möglich – wegen des schwachen Immunsystems ist zur Haltung der Tiere neben spezieller Nahrung und staubfreier Einstreu auch eine keimfreie Umgebung bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit notwendig. Das bedeutet, dass solche Tiere auf ihre tierart-spezifischen Bedürfnisse wie z.B. artgerechte Ernährung und Bewegung, Graben, Nagen, Klettern und ein Leben in sozialer Gemeinschaft weitestgehend verzichten müssen.

Und was machen wir?
Spätestens hier muss man sich in einer fortschrittlichen, aufgeschlossenen Gesellschaft die Frage stellen, wieso derart belastende Tierversuche überhaupt noch gemacht werden, erlaubt und ethisch vertretbar sind. Und wieso dieser makabre und verglichen mit der Heimtierhaltung auch paradoxe Umgang mit unseren vierbeinigen Mitgeschöpfen in Tierversuchen nicht längstens durch Ersatz- und Alternativmethoden ersetzt wurde. Wir müssen uns auch fragen, ob wir weiterhin unsere Steuergelder den Versuchstier-Forschern, insbesondere in der universitären Grundlagenforschung, zur Verfügung stellen wollen, die uns kaum darüber aufklären, wie sie die Versuchstiere halten, was für Versuche sie zu welchem Zweck durchführen und wie ihre konkreten Bemühungen aussehen, Tierversuche zu reduzieren und zu ersetzen. Immerhin investiert die Schweiz jährlich mehrere hundert Millionen Franken Steuergelder in Forschungsprojekte mit Tierversuchen. Im Gegensatz dazu fliessen gerade einmal 425`000 Franken Steuergelder pro Jahr in die Forschung von Alternativ- und Ersatzmethoden (Stiftung Forschung 3R), was dann auch die magere Ausbeute an tierversuchsfreier Forschung in der Schweiz erklärt.

Quelle: Schweizer Tierschutz STS

 

Sie können aktiv etwas gegen das Tierleid in Versuchslabors tun! Überdenken Sie Ihr Konsumverhalten, informieren Sie sich, kaufen Sie tierversuchsfreie Kosmetik, verzichten Sie wenn immer möglich auf Medikamente und weichen Sie auf Naturheilmittel/Homöpathie aus. Weitere Infos auf www.tierschutz.com